Marae Taate ist ein historisch und spirituell bedeutender Ort von Tahiti. In der vorchristlichen Zeit fanden auf solchen Plätzen Zeremonien, religiöse Rituale, Versammlungen und gesellschaftliche Entscheidungen statt. Mit der europäischen Eroberungen im Pazifik ab dem späten 18. Jahrhundert veränderte sich das Leben auf den Südseeinseln grundlegend. Missionare, Händler und Kolonialmächte brachten neue Machtstrukturen und Glaubensvorstellungen mit. Die Christianisierung Polynesiens im frühen 19. Jahrhundert führte dazu, dass traditionelle Religionen, Rituale und kulturelle Ausdrucksformen verboten oder verdrängt wurden. Viele Marae verfielen, spirituelle Orte verloren ihre ursprüngliche Funktion. Besonders einschneidend waren die eingeschleppten Krankheiten wie Pocken, Masern und Grippe. Ohne natürliche Immunität schrumpfte die einheimische Bevölkerung innerhalb weniger Jahrzehnte drastisch. Dieser demografische Einbruch hatte langfristige Auswirkungen auf Gesellschaft, Kultur und Wissensweitergabe. Erst im 20. Jahrhundert, insbesondere ab den 1960er- und 1970er-Jahren, begann eine bewusste Wiederbelebung der polynesischen Kultur. Sprache, Tanz, Musik und Handwerk wurden neu entdeckt und wertgeschätzt. Orte wie Marae Taate stehen heute nicht mehr für aktive Rituale, sondern für Erinnerung, Identität und das Bewusstsein für die eigene Geschichte.
Trotz Kolonialgeschichte, Missionierung und Bevölkerungsverlusten durch eingeschleppte Krankheiten ist der indigene Anteil relativ hoch geblieben und liegt bei ca. 70% der Gesamtbevölkerung. Im Vergleich liegt der Anteil auf Hawaii oder Neuseeland nur bei ca. 10-15%. Kultur, Sprache und Identität sind deshalb in Französisch Polynesien auch sichtbarer und lebendig


