Ökosystem Reisfeld

Als wir die vielen Reisfelder in Thailand gesehen haben kam die Frage auf, ob es Tiere im Wasser der Reisfelder gibt. Und tatsächlich sind Reisfelder weit mehr als reine Agrarflächen. Sie funktionieren als temporäre Feuchtgebiete, in denen sich ein komplexes Ökosystem entwickelt. Neben Insektenlarven, Schnecken und Fröschen leben hier auch Fische. Häufig sind es kleine Süßwasserarten wie Karpfenverwandte, Welse oder Schlangenkopffische, die über Bewässerungskanäle einwandern oder gezielt eingesetzt werden. Für viele Familien sind sie eine wichtige zusätzliche Eiweißquelle.

Diese Fische sind ein zentraler Bestandteil der Nahrungskette. Sie ernähren sich von Insekten und Larven und werden selbst von Reihern, Eisvögeln, Schlangen oder Waranen gefressen. Zusammen mit Fröschen stabilisieren sie das ökologische Gleichgewicht im Feld und tragen zur natürlichen Schädlingskontrolle bei.

Für die Menschen, die in den Reisfeldern arbeiten, bringt diese Nähe zur Natur jedoch auch Risiken mit sich. Schlangen nutzen die Felder als Jagdgebiet, angelockt durch Frösche und Fische. Besonders während der Regenzeit sind Schlangenbisse eine reale Gefahr, da viele Reisbauern barfuß oder mit einfachem Schuhwerk im Wasser arbeiten.

Zur Erntezeit werden die Reisfelder trockengelegt. Das Wasser verschwindet, Fische werden abgefischt, wandern über Kanäle ab oder überleben in Restgewässern. Das Ökosystem wird dabei nicht zerstört, sondern unterbrochen. Mit der nächsten Pflanzperiode und dem erneuten Fluten der Felder entsteht es erneut. Reisfelder folgen damit einem jährlichen Kreislauf, in dem Leben immer wieder neu entsteht.

Wie lebendig dieser Kreislauf ist, unterscheidet sich jedoch deutlich von Land zu Land. In Vietnam, besonders im Mekong-Delta, sind Reisfelder oft dauerhaft oder mehrfach im Jahr geflutet. Dort existieren ausgeprägte Reis-Fisch-Systeme mit sehr hoher Artenvielfalt. Ganz anders ist die Situation in Ländern wie Japan oder Teilen von China. Dort ist der Reisanbau stark mechanisiert und kontrolliert. Reisfelder sind dort ökologisch deutlich ärmer, Fische und andere Tiere spielen kaum noch eine Rolle.