Von Nizwa aus führte uns der Weg zunächst nach Misfat al Abriyeen. Das Bergdorf klebt förmlich am Hang, schmale Wege führen zwischen alten Lehmhäusern hindurch. Unterhalb ziehen sich grüne Terrassenfelder entlang, bewässert durch traditionelle Faladsch-Kanäle, die in einem schmalen felsigen Tal angelegt wurden. Während Luca und Ulrike im Dorf blieben, wanderte ich mit Ali den etwas beschwerlichen Weg entlang bis zur Quelle der Faladsch-Kanäle. Ein beeindruckendes Tal mit herzlichen Ausblicken.
Weiter ging es nach Al Hamra, bekannt für seine alten mehrstöckigen Lehmhäuser. Manche sind noch bewohnt, andere verfallen langsam und erzählen von einer früheren Bauweise, die ganz auf lokale Materialien setzte. Hier zeigt sich, wie sehr sich das Leben in Oman in den letzten Jahrzehnten verändert hat. In einem privaten Museum konnten wir eines der Häuser besucht. Es wurde gezeigt, wie Dattelsirup, Kaffee und Brot mit einfachen Mitteln früher hergestellt wurde. Ali zeigte mir wie der traditionelle Turban gebunden wird. Gar nicht so einfach und man versteht warum die meisten Männer Mützen tragen.




Der Tag endete hoch oben am Jebel Shams, dem höchsten Berg des Landes. Die Landschaft öffnete sich plötzlich und gab den Blick frei auf die gewaltige Schlucht des „Grand Canyon des Oman“. Die Felswände fallen steil ab, die Farben wechseln zwischen Braun, Grau und Ocker. Der Wind war kühl, die Weite beeindruckend. Wir wurden unweigerlich an unsere Tour zum Grand Canyon in den USA erinnert. Übernachtet wurde in einem Bungalow auf 2000 m Höhe nicht weit entfernt vom Canyon. Nach den Frühstück und einen letzten Blick in den Canyon ging es zurück nach Muskat.
Auf die Wanderung auf dem bekannten Balcony Walk verzichteten wir bewusst. Der schmale Weg führt auf halber Höhe des Canyon entlang mit einem steilen Abgrund auf der einen und einer steilen Wand auf der anderen Seite. Nichts für Leute mit leichter Höhenangst. Bevor wir in Muskat ankamen machten wir noch einen Abstecher nach Al Hajar, Ali’s kleinem Heimatdorf, abseits aller Touristenströme. Da der Oman fast nur aus Sand und Geröllwüste besteht, liegt auch dieses Dorf mitten zwischen kahlen Bergen. Aber auch dieses Dorf hat eine ausgeklügelte Bewässerungsanlage, dass durch mehrere tiefe Brunnen mit Pumpe versorgt wird. Jedem Dorfbewohner ist in dieser Oase seine Gartenparzelle zugeteilt, die er bewirtschaften kann.
Danach hieß es Abschied nehmen. Ali ein sehr liebevoller, aufgeschlossener, offener und hilfsbereiter junger Mann hatte uns sein Land auf eindrucksvolle Weise in den letzten Tagen näher gebracht. Nächstes Jahr will er nach Europa reisen und wenn es klappt uns in Hannover besuchen.



