Heute führte uns die Route weiter nach Page, im Norden Arizonas. Die Fahrt war angenehm – weite Straßen, sanft geschwungene Hügel und immer wieder Ausblicke auf rotbraune Felsformationen im Sonnenlicht. Die Fahrt war heute nicht so lang und durch die Zeitzonengrenze haben wir eine Stunde gewonnen. Deshalb legten wir vor der Ankunft auf dem Campingplatz noch einen Stopp am Horseshoe ein. Ein kurzer Fußweg führte vom Parkplatz durch sandiges Terrain zu einem Felsplateau, das sich plötzlich öffnete und den Blick freigab. Tief unten schlängelt sich der Colorado River in einer fast perfekten Hufeisenkurve durch die Felsen. Mit 26 Grad im Schatten – den man hier aber nicht findet – war es sommerlich warm.
Nach diesem eindrucksvollen Stopp ging es weiter zur Wüstenstadt Page. Sie wurde in den 1950er-Jahren gegründet, als Arbeiter den nahegelegenen Glen Canyon Dam errichteten, der den Lake Powell entstehen ließ. Heute ist Page mit Hotels, Restaurants, und vielen Outdoor-Angeboten ein Ausgangspunkt für Ausflüge zum Antelope Canyon, dem Lake Powell oder eben zum Horseshoe. Trotzdem ist die Stadt ansicht keine Schönheit. Unser Campingplatz hatte aber eine gute Lage mit Schatten spendenden Bäumen. So konnte wir den angenehm warmen Abend gemütlich mit einem kühlen Getränk vor unserem Camper ausklingen lassen.
Nach den Wäldern um Flagstaff führte uns die Route weiter nach Nordosten – hinein in die Weiten des amerikanischen Südwestens. Schon von weitem kündigten sich die rot leuchtenden Felsen des Monument Valley an. Mit jedem Kilometer wurden die Formen markanter, die Farben intensiver, bis schließlich die berühmten Felstürme der Mitten Buttes in der Ferne auftauchten. Unser Ziel war der The View Campground, mitten im Gebiet der Navajo Nation. Hier, im sogenannten Monument Valley Navajo Tribal Park, verwalten die Navajo ihr eigenes Schutzgebiet. Anders als in US-Nationalparks liegt die Verantwortung hier nicht beim Staat, sondern bei der Gemeinschaft selbst. Eintrittsgelder, Touren und der Erhalt der Anlagen kommen direkt der Bevölkerung zugute.
Das Monument Valley wurde 1958 als erster Tribal Park seiner Art gegründet. Es umfasst rund 91.000 acres – das sind über 37.000 Hektar Wüstenlandschaft mit den charakteristischen roten Sandsteinfelsen. Die Navajo Nation ist heute mit über 170.000 km² das größte indigene Reservat der USA. In dieser Landschaft leben Familien, die ihre Traditionen bis heute bewahren zu versuchen – von Sprache und Handwerk bis zu spirituellen Zeremonien.
Viele der markanten Orte im Tal gelten als heilig und dürfen nur mit einem Navajo-Guide betreten werden. Die berühmten Buttes – wie die West Mitten Butte, East Mitten Butte und Merrick Butte – sind Felsformationen, die bis zu 300 Meter aus der Ebene aufragen. Die Ebene liegt auf 1800 Meter. Das Wort Butte stammt aus dem Französischen und bedeutet „Hügel“ – gemeint sind jedoch steile, freistehende Felstürme mit flachem Gipfel, entstanden durch Jahrmillionen der Erosion. Im Deutschen könnte man sagen: „Felsturm“ oder „Tafelberg im Kleinformat“ – aber keine Übersetzung trifft den Anblick.
Unser Stellplatz am „The View Campground“ bot einen direkten Blick auf die roten Felsen. Wir kamen an als die Sonne tiefer sank und die Buttes im Abendlicht glüten – von Dunkelorange bis Tiefrot. Was für ein Empfang! Wir kamen aus dem Stauen nicht heraus, holten die Stühle aus dem Camper und genossen die umwirkliche Abendstimmung in dieser einmaligen Landschaft.
Am nächsten Tag nahmen wir an einer geführten Jeep-Tour teil – die einzige Möglichkeit, die inneren Bereiche des Tals zu erkunden. Unser Navajo-Guide steuerte den offenen Geländewagen sicher über die staubigen und holprigen Pisten. Dabei wurden wir ordentlich durchgeschüttelt. Der Navajo-Guide erzählte unterwegs Geschichten über das Land und seine Bedeutung für sein Volk. Wir hielten an mehreren Aussichtspunkten, die nur mit Erlaubnis betreten werden dürfen, und sahen Felsformationen mit Namen wie „Totem Pole“, „Three Sisters“ oder „The Ear“. Besondere Orte, die die Magie dieser Orte spürbar machten.
Monument Valley ist mehr als eine Filmkulisse – es ist ein heiliger Ort, geprägt von Natur, Kultur und Geschichte. Wir durften in dieser spektakulären Landschaft zwei Tage verbringen. Nach dem Grand Canyon das nächste einmalige Erlebnis.
Als Basisstation für unseren Besuch des Grand Canyon haben wir uns Flagstaff ausgeguckt. Flagstaff liegt auf über 2.000 Metern Höhe – eine Stadt, die sich fast alpin anfühlt. Kühle, klare Luft, dichte Kiefernwälder in denen viele Holzhäuser der Vororte und auch unser Campingplatz liegt, direkt an der alten Route 66. Ulrike kann sich sogar noch an den Namen der Stadt aus dem Roman „The Stand – Das letzte Gefecht“ aus den 90 Jahren erinnern. Den ersten Tag nutzen wir als Ruhe- und Waschtag. Am Morgen des zweiten Tages machten uns auf den Weg Richtung Norden. Die Straße führte immer gerade aus über die weite Hochebene von Arizona. Nach gut anderthalb Stunden tauchten die ersten Schilder zum Grand Canyon National Park – South Rim auf. Wir waren über die gute Infrastruktur überrascht. Keine riesigen Parkplätze, sondern mehrere kleine Plätze verteilt in den Fichtenwäldern die bis an den Canyon reichen. 15 Grad, volle Sonne, kein Wind und angenehm wenig Betrieb. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Canyon sind wir alleine unterwegs. Wir hatten die Erwartung, dass es nur wenige Aussichtspunkte gibt an denen sich die Besucher drängeln. Und dann das, ein kilometerlanger Weg der entlang des Canyonrandes führt – von jeder Stelle aus ein grandioser Ausblick. Als wir das erste Mal an den Rand kommen sind wir tatsächlich emotional berührt. Ein Blick den man nicht beschreiben und nicht in Bildern fassen kann. Trotzdem kommen wir immer wieder in Versuchung Fotos zu schießen um diesen Moment festzuhalten. Luca freut sich mehr über den Shuttlebus mit dem wir noch zum Hopihouse und Bahnhof fahren. Am Bahnhof steht der historische Grande Canyon Zug der von Williams aus zum Canyon fährt. Das ist was für Luca. Voller unvergesslicher Eindrücke fahren wir zurück nach Flagstaff. Wir sind sehr froh einen Stop am Grand Canyon eingelegt zu haben.
Sonntag 12. Oktober: Der Morgen im Joshua Tree Park. Morgensonne und klarer blauer Himmel. Wir hatten gemütlich gefrühstückt und wollten uns gerade für eine kleine Wanderung fertig machen als der Nachbar hektisch einpackt und uns auf Rauchwolken auf der anderen Seite unseres Campers aufmerksam macht. Innerhalb kurzer Zeit war klar – ein Feuer war ausgebrochen. Ranger informierten ruhig, aber bestimmt: Evakuierung. Wir packten zusammen, während bereits die ersten Löschfahrzeuge an uns vorbeifahren. Als wir aus dem Camp fahren kommen weitere Einsatzfahrzeuge an uns vorbei. Unsere Entscheidung steht schnell fest: Wir fahren weiter. Wie wir später erfahren wurde der Park vorübergehend geschlossen, es sind rund 66 Hektar niedergebrannt. Mit gemischten Gefühlen verließen wir die Region, beeindruckt von der einmaligen Natur aber auch dem schnellen Einsatz der Feuerwehr. Die Fahrt führte uns weiter durch die Mojave-Wüste. Eine schnurgerade nicht enden wollende Straße und fast kein Verkehr. So hatten wir es uns vorgestellt. Dann das Schild: Kein Service die nächsten 100 Meilen. Und tatsächlich kein Ort kein Haus, kein Abzweig. Wir sind begeistert und die Ereignisse von heute morgen treten langsam in den Hintergrund. Dann doch eine Kreuzung und wir biegen ein auf die alte Route 66. Was folgt ist eine alte Tankstelle an einem verlassenen Ort. Es gibt auch noch eine Zapfsäule, aber der Kassenraum gleicht einem Souvenir Shop für Nostalgiker. Wir begnügen uns mit einem Eis und saugen noch die Stimmung dieses einmaligen Ortes zwischen Harley Davidson Fahrern ein. Wir fahren weiter bis zum Davis Dam bei Bullhead City am Colorado River. Am Abend, als wir vor dem Camper saßen und der Tag langsam zur Ruhe kam, wirkte das Feuer schon fast surreal – ein Ereignis, das sich tief eingebrannt hat, im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Tag, der zeigt, wie nah Schönheit und Gefahr in der Wüste beieinander liegen.
Samstag 11. Oktober: Nach einer letzten Nacht im Orangeland RV Park bei Los Angeles starteten wir am Morgen in Richtung Joshua Tree National Park. Die Sonne stand schon früh am Himmel, und nach einem erneuten Stopp im Walmart ging es direkt auf den Highway. Acht Spuren und volle Straßen am Samstag. Bei jedem Abzweig neue Hoffnung. Die Straßen müssen doch kleiner werden. Weit gefehlt. Über eine Stunde waren wir schon unterwegs. Immer noch siebenspurig und zehfließender Verkehr, selbst als wir schon die Vororte von Los Angeles verlassen haben. Erst als es in die Berge geht eine zweidpurige Straße und typische kleine amerikanische Orte im Westernstil. Die riesige Großstadt liegt hinter uns.
Am frühen Nachmittag erreichten wir den Joshua Tree National Park – eine Landschaft, die wirkt, als hätte jemand Felsen, Wüstenstaub und bizarre Bäume zu einem Kunstwerk arrangiert. Die Joshua Trees stehen wie skurrile Wüstenwächter in der Sonne, und zwischen ihnen ziehen sich Wege durch ein Meer aus Stein und Sand. Wir hatten unseren Stellplatz schon im Voraus reserviert und richteten uns gemütlich ein. Der Abend brachte goldenes Licht, absolute Ruhe und später einen sternenklaren Himmel – ein Schauspiel, das man so nur in der Wüste erlebt.
Donnerstag 9. Oktober: Heute begann unser neues Kapitel in den USA: Übernahme des Wohnmobils in Los Angeles. Vom Hotel ging es mit dem Taxi zu El Monte, wo unser mobiles Zuhause für die nächsten 3 Wochen bereitstand. Nach einer kurzen Einweisung hieß es: Schlüssel übernehmen, nochmal alles prüfen, und das erste Mal auf dem Fahrersitz Platz nehmen – aufregend!
Vorher stand allerdings noch ein kleiner, aber wichtiger Zwischenstopp an: Bei AT&T kauften wir eine amerikanische SIM-Karte, um unterwegs telefonieren, zu können. Bei vielen Reservierungen von Campingplätzen wird nur eine Amerikanische Nummer akzeptiert. Die Dame bei AT&T war sehr hilfsbereit und geduldig. Unsere Handys funktionieren nicht mit der US-Sim Karte. Deshalb gibt es gleich noch ein neues Handy für zusätzlich 10$. Als alles eingerichtet war ging es weiter zur Grundausstattung im Walmart – einmal quer durch die Regale für alles, was man für das Camperleben braucht: Toilettenpapier, Tücher, etc. und natürlich Getränke und Lebensmittel. Ganz schön groß so ein Walmart in Los Angeles.
Es war schon spät geworden, wir sind mitten in Los Angeles und haben immer noch keinen Stellplatz, nicht heute und nicht für die nächsten 3 Wochen. Etwas Stress macht sich breit! Wir benutzen gleich mal das neue Handy. Beim dritten Versuch haben wir Glück: Orangland RV Park in Los Angeles, nur eine halbe Stunde entfernt. Zwischen Palmen und Orangenbäumen richteten wir uns ein – Tisch raus, Stühle aufgestellt, und das erste Abendessen unter freiem Himmel genossen. Wir buchen gleich den zweiten Tag um in Ruhe die Koffer aus zupacken und uns mit dem Wohnmobil vertraut zu machen.
Vor unserem Weiterflug morgen nach Los Angeles ist nochmal die Wäsche dran. Das Hotel hat große Waschmaschinen und Trockner. Nachmittags machen wir uns auf zum Liberty State Park in Jersey. Den Park erreichten wir gut zu Fuß von unserem Hotel aus. Vom alten Immigration-Bahnhof aus nehmen wir die Fähre zur Freiheitsstatue. Heute gibt es hier keine Wartezeiten und so können wir noch entspannt ein paar Fotos aus der Nähe machen.
Auf unserem Weg heute morgen vom Subway zum Central Park gehen wir eher zufällig auf der bekannten 5th Ave entlang. So stellt man sich New York City vor. Hohe Häuserschluchten, ein Mix aus alter und neuer Architektur und geschäftiges Treiben. Dazu Geschäfte wie Tiffany, Prada oder Gucci. Und dann taucht auch der Trump Tower auf. Der Weg zum Times Square führt uns entlang des Broadway an den vielen Theatern vorbei. Der Time Square wäre eher unauffällig, gäbe es nicht um den ganzen Platz verteilt die bekannten Werbeleuchttafeln in unterschiedlichen Größen, Formen und grellen Farben. Am Nachmittag ist der Platz nicht nicht so stark besucht. So finden wir relativ schnell den bekannten fast nackten Cowboy mit Gitarre. Zum Dinner waren wir mit unseren Tischnachbarn von der Queen Mary 2 verabredet, die wir gestern rein zufällig in der Stadt wiedergetroffen hatten. New York ist halt auch nur ein Dorf. Das es nicht so ist merken wir als wir wieder auf der Straße waren. Mittlerweile schieben sich Menschenmassen über Broadway und Times Square. Nur schnell zur nächsten Subway Station und zurück auf die andere Seite des Hudson nach Jersey City. Von der Hektik und dem Lärm ist hier nichts zu spüren. Wir nehmen noch einen Drink auf der Hotelterrasse. Manhattan wirkt von hier wie eine riesige beleuchtete Kulisse und der heutige Vollmond steckt wie eine Weihnachtkugel auf der Spitze des World Trade Centers.
Nachdem wir gestern in Lower Manhattan waren und uns in 500 m Höhe einen Überblick verschaffen konnten geht es heute am Montag mit der Untergrund Bahn ins Upper Manhattan. Erstes Ziel ist der Central Park den wir mit dem Fahrrad erkunden wollen. Wir hatten uns auf eine beschauliche Parktour eingerichtet. Aber wir staunen nicht schlecht. Eine dreispurige Autostraße die mit Verkehrsampeln als Einbahn-Radweg mitten durch den Park führt. Hier tummeln sich Pferdekutschen, Rikschas, Rennradfahrer, Touristen und Essenskurier die bei 28 Grad mit Mantel, Wollmütze und Handschuhen mit ihren E-Bikes rechts und links vorbeisausen. Parkanlage amerikanisch! Es war auch keine gute Idee für die Familie kein E-Bike gemietet zu haben. Der Central Park ist alles andere als flach, so dass ich mir einige Vorwürfe gefallen lassen mußte. Nach einer Pause im viel zu kühlen Starbucks Cafe hatten sich die Gemüter aber dann wieder beruhigt.
Sonntag 5. Oktober: Heute begann unser Tag mit der Fähre von Jersey City nach Manhattan. Es sind 28 Grad vorhergesagt. Die Sonne glitzerte auf dem Wasser, Möwen kreisten über dem Hudson, und mit jedem Meter kam die Skyline näher – ein beeindruckendes Panorama, das nie alt wird. Unser erster Stopp war das Brookfield Place Einkaufszentrum – elegant, hell, mit Geschäften und Cafés direkt am Yachthafen. Nach einem kurzen Bummel ging es weiter zum 9/11 Memorial. Die beiden Wasserbecken an den ehemaligen Standorten der Zwillingstürme strahlen eine besondere Ruhe aus. Die endlosen Namen auf den bronzenen Rändern erinnern an die Menschen, die hier ihr Leben verloren – ein Ort des Gedenkens, der berührt. Gleich daneben erhebt sich das neue One World Trade Center. Mit dem Aufzug ging es in weniger als einer Minute hinauf zur Aussichtsplattform – und der Blick war atemberaubend. Ganz Manhattan lag uns zu Füßen, von der Brooklyn Bridge, über Mid- und Upper Town bis zur Freiheitsstatue, die im Dunst über dem Hafen glitzerte. Ein Ausblick der uns beeindruckte und unvergessen bleibt. Anschließend spazierten wir durch die Straßen bis zum Broadway, wo natürlich ein kurzer Stopp beim berühmten „Charging Bull“ nicht fehlen durfte. Den Tag ließen wir entspannt am Yachthafen ausklingen – mit einem Aperol Spritz in der Abendsonne, während die Jetskis ihre Runden drehten und noch ein Kreuzfahrtschiff vorbeizog. Als wir mit der Fähre zurück ins Hotel fuhren spiegelten sich die Hochhäuser golden im Wasser. Ein perfekter Abschluss für einen großartigen Tag in New York.