Autor: whoislua90763a891

  • Französisch Polynesien unter der Haut

    Einige Tage sind bereits vergangen, seitdem wir Tahiti und Französisch Polynesien verlassen haben. Und eines ist klar, dieser Abschnitt, diese 4 Wochen unserer Reise, werden besonders in uns haften bleiben. So nachhaltig beeindruckt sind wir von dem Land, den Menschen, der Natur, den Traditionen.

    Und gerade diese Traditionen versucht die Bevölkerung der Inseln wieder aufleben zu lassen. Durch die Verbote in der damaligen Kolonialzeit gerieten viele Tänze, Lieder und Rituale in Vergessenheit. Es kam uns bei den zahlreichen Aufführungen, die wir auf der Aranui und den Inseln gesehen haben, nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise so vor, dass hier nur für Touristen getanzt und gesungen wird. Im Gegenteil. Mit Freude und Hingabe wurde Kultur präsentiert! Oft tanzten schon die kleinen Kinder mit. Und wenn wir Gäste zum Tanzen aufgefordert wurden, dann nicht um uns mit unseren steifen Hüften bloß zu stellen, sondern um uns in die Stimmung und die Magie mitzunehmen. Bei mir hat das geklappt. Bei den Männern auch. So mancher hat die archaischen Schreie der Polynesier aus tiefster Seele in den Abendhimmel geschrien!

    Eine weitere kulturelle Bedeutung haben Tattoos in französisch Polynesien.
    Das Wort „Tattoo“ stammt vom polynesischen „tatau“ und wurde durch europäische Seefahrer (u. a. James Cook) bekannt. Tätowierungen waren heilig und hatten tiefe soziale und spirituelle Bedeutung. Tattoos dienten unter anderem
    als Identitätsmerkmal, zur Kennzeichnung des sozialen Status, als spiritueller Schutz und zur Darstellung von Mut, Stärke und Wissen. Im 19. Jahrhundert verboten Missionare das Tätowieren aber seit den 1980er Jahren erfährt diese Kultur eine Renaissance und ist ein wichtiges Symbol kultureller Identität und des Stolzes. Viele Tätowierer verbinden heute traditionelle Symbolik mit moderner Tattoo-Kunst.
    Ein polynesisches Tattoo ist daher nicht nur Schmuck, sondern eine Geschichte auf der Haut. Auch auf meiner!

    Ich wusste, dass es auf dem Schiff ein Tattoo-Studio gibt und ich hatte mich vorher schon mit Tätowierungen, eigentlich in Verbindung mit Hawaii, beschäftigt. Diese haben ihren Ursprung allerdings in französisch Polynesien. Mir war klar, dass es hier nicht um ein Bild auf der Haut geht. Eher ein Statement. Klar war einzig die Stelle: Schulter. Vielleicht hätte ich mich nicht getraut, wenn nicht Tanja, die ich auf dem Schiff kennengelernt habe, Vorreiter gewesen wäre!!! Moano, der Tätowierer, gab mir zwei Bücher (sogar in deutscher Sprache) mit vielen Bildern und Informationen. Und ich verfasste eine Aufstellung mit Dingen, die ich liebe und was mir wichtig ist. Heute und für die Zukunft. Mit dem, was dann entstanden ist, habe ich bewusst nicht viel zu tun. Da hat der Künstler in einer magischen Stunde (viel länger hat es nicht gedauert) MICH in polynesischer Sprache umgesetzt. Jede Linie hat Bedeutung, jedes einzelne Bild trifft eine Aussage. Es ist größer geworden als ich es dachte, und dennoch genau richtig. Zusammengefasst dreht es sich um Schutz, Stärke und Ausdauer, Verbundenheit, Familie, Gemeinschaft (Freunde), Harmonie, Mut, Gelassenheit, unterwegs sein, Meer(Tiefe).

    Eigentlich möchte ich nur noch „Schulter frei“ tragen. Im Moment bei diesen Temperaturen nicht schwer!! Ich weiß, dass Tätowierungen polarisieren. Nicht jeder mag das. Ich habe mein Tattoo zwischen den Inseln Hiva Oa und Tahuata bekommen. Es ist für mich mehr Kunst, aber auch mit Traditionen verbunden, ich bin stolz darauf. Eben (und nicht nur) Polynesien unter der Haut!

    Übrigens sind sehr viele Polynesier tätowiert. Durch alle Altersgruppen und sehr schön in meinen Augen. Ich wurde oft auf mein Tattoo angesprochen und die Reaktionen waren Wertschätzung und Respekt!!

    Moano, der Künstler!! Mein Gesicht kurz danach! Das Tattoo heute…

  • Manchmal denke ich auch, ich bin zu alt für diesen Scheiss!!!

    So traumhaft, wie sich unsere Tage/Erlebnisse  darstellen und vielleicht lesen, so nervig sind auch manch andere Begebenheiten. Das fängt mit amerikanischen Bettdecken an. Ein Bettlaken pro Doppelbett, darauf eine Bettdecke. Im King- oder Queensize-Bett gibt es das Arrangement für zwei Personen… (Meistens haben wir 2 Betten im Zimmer und routieren, jeder hat mal ein Bett für sich allein.) Nach über 20 Jahren Ehe bevorzugen wir eigene Bettdecken, somit haben wir in den amerikanischen Hotels immer eine zusätzliche Decke bestellt. Man bekommt dann auch die entsprechende Größe nochmal, also mindestens 2×2 m. Das ganze Paket dann 2x im 1,50 m breiten Bett (manchmal auch schmaler), ist ein ganz schöner Haufen Bettzeug, den man schwer bändigen kann. Alles rutscht hoch oder runter, garantiert in die falsche Richtung, und morgens würgt das Laken allein um den Hals oder andere Gliedmaßen. Im Wohnmobil hat jeder das obligatorische Laken plus zwei (braune) dünnere Synthetik- Decken. Auch diese Kombination lässt sich nicht bändigen und ich werde fünf Mal in der Nacht wach, weil sich irgendwie etwas verwurschtelt hat oder die Decke(n) weg sind. Zum Glück sind wir nun und für die nächsten fünf Nächte in wärmeren Gefielden, wo das Laken ausreichend ist. Luca hat allerdings eine Erkältung, wohl nicht richtig zugedeckt…

    Die „Matratze“ im Wohnmobil ist eine dünnere Auflage, die ohne Lattenrost auskommt und durchgelegen ist. Ich habe mir einen Topper gekauft und komme damit bisher ohne Rückenschmerzen klar!! Hurraa!!!

    Die Ausstattung seitens der Wohnmobil-Vermietung ist auch eher kläglich. Es gibt keine Auffahr-Keile und somit lassen sich schräge Stellplätze auch nicht ausgleichen. Mit „Kopf nach unten“ schläft es sich auch nicht besser…

    Und nebenan stehen die überdimensionalen Trailer, Wohnmobile in Linienbusgröße, 3 Slide-outs keine Seltenheit, mit Kücheninsel, Couch und fetten Matratzen… Aber ich bin nicht neidisch!!!! Gar nicht!!!? Doch, ein bisschen!!!!

    Wir haben diese Tour im Wohnmobil auch wenig bis gar nicht vorbereitet. Die Campsides haben wir nicht vorreserviert, die Route nicht geplant und wir wollten auch möglichst flexibel bleiben. Sicher hätten wir einiges besser treffen oder planen können. Dennoch, ich würde es wieder so machen. Denn:

    Das Unterwegs-sein ist ein ganz besonderer Vibe. Dabei ist es egal, ob mit Wohnmobil, Schiff, Auto, Flieger oder von Hotel zu Hotel. Es entsteht eine eigene Energie, die sich richtig und gut anfühlt. Ich bin mit Rückenblockade, entzündetem Zeh, lädierter Hand aufgebrochen und hätte den Start fast verschoben oder gecancelt. Da steckte sicherlich auch ordentlich Angst dahinter. Aber „where the Focus goes, the Energie flows“. Die Wehwehchen sind alle weg, die Energie macht viel Spaß. Detlev und ich klatschen und alle Nase lang ab, weil wir beide „TOLL“ rufen könnten.

    Was macht da ein verkrumpeltes Bettzeug aus???

  • Luca

    Wie reist es sich mit Luca, mit seiner Gedankenwelt, dem Autismus? Was macht das Unterwegs-sein mit ihm? Hat er Spaß und kann er sich auf immer neue Situationen einstellen? Das haben wir uns natürlich vor der Reise hunderte Mal gefragt. Was passiert,  wenn kein WLAN vorhanden ist? Haha!! Alles kein Problem!! Hurraaa!! Luca genießt das Reisen genau wie wir – soweit wir das beurteilen können! Er freut sich über andere Dinge und schaut natürlich auch anders in die Welt. Richtig Stress hatte er erst durch die Seekrankheit und heute durch eine Übung auf dem Schiff. Viele Durchsagen, die man nicht verstehen kann, schrille Alarmtöne und die halbe Besatzung läuft mit Schwimmwesten herum. Da hat er heute gesagt, er will nach Hause… Aber das hat sich schnell wieder beruhigt. Dennoch ist sein Anker und liebster Ort auf dem Schiff das Indoor-Pool-Deck. Man kann den Schornstein sehen, das Meer rundherum und vor der Tür hängt ein großer Bildschirm, auf dem die Strecke angezeigt wird, die noch vor uns liegt. Und 100 Mal am Tag die Frage, wie weit es noch ist. Wie “ schlimm“ das jetzt alles ist/war, werden wir wohl erst erfahren, wenn es in Tahiti auf das nächste Schiff geht…

    Auto, Bus, Zug, Dampflok, Doppeldecker-Bus, Underground, diverse Uber: sein Himmelreich! Ansonsten liebt er es, andere Menschen kennen zu lernen. Es reicht schon ein kurzes Gespräch auf der Straße. Sogar englische Worte benutzt er. Er ist jedem gegenüber aufgeschlossen!! Richtig toll!! Und so geht es uns im Moment allen gut! Wir kommen gut klar mit unserem Gepäck (mussten ja schon reichlich ein-und auspacken), kleinere Unwohlsein, Schrauben im Reifen, etc, haben wir gemeistert. Und mit kleinen Zimmern kommen wir auch gut klar!!! Alle Drei!!! Somit haben wir große LUST auf das, was noch kommt!

  • Die Gedankenwelt auf Reisen:

    Was kann ich tun bzw entbehren, dass das Gepäck leichter wird??? Es fällt uns nichts ein und ich habe größten Respekt vor Leuten, die mit einem Rucksack unterwegs sein können. Wird sich der Anspruch wohl mit der Dauer der Reise verändern? Als Rücken-Geplagte habe ich eine faltbare Gymnastikmatte dabei (Detlev benutzt sie auch!). Wasserkocher und French Press Kaffeemaschine, Tassen, Plastikbecher, Küchenhandtuch und kleinere Utensilien sind auch im Gepäck. Übrigens sind die Rückenschmerzen fast weg, hurraaa!

    Gestern wollten wir ja Edinburgh Castle besichtigen (eigentlich nur die Aussicht genießen), aber es herrschte ein riesiger Andrang. Ich war schon hektisch dabei, Tickets online zu ordern, als Detlev daran erinnerte, dass wir solche Hotspots mit zu viel Getümmel eigentlich meiden wollten! Ein bisschen Zwiespalt war da schon zwischen „ich möchte es jetzt erleben“ und „es ist ätzend voll“. Und dann waren wir keine halbe Stunde später mitten in der schottischen Demonstration mit Motorrad-Korso, Flaggen und enthusiastischen Menschen.

    Eigentlich hätte ich gerne mehr direkte Begegnungen mit Einheimischen. Mal eine Unterhaltung, ein Gespräch. Vielleicht ist man dazu (noch) zu schnell unterwegs. Die längeren Gespräche entstanden bisher immer im Waschsalon, haha. Aber am Dienstag bekommen wir unseren Mietwagen und wir sind gespannt, auf dem Land unterwegs zu sein und die Großstädte erst einmal hinter uns zu lassen.

    Apropos Waschsalon: Wir waren heute schon wieder Waschen… Wie kann das sein?? Kleinere Dinge waschen wir schon mit der Hand. Irgendwie muss man das Zeug doch öfter anziehen – will man das?? Mutti kleckert auch mal… Naja, wie gesagt, bisher war „Waschsalon“ unterhaltsam und in Edinburgh fast wie Sightseeing, nämlich schöne Busfahrt!! To be continued…

  • Wenn einer eine Reise tut…

    dann kann er was erleben!!

    Und das beginnt nicht erst mit der Reise. Offenbar ist für mich das Verlassen der Komfortzone schwieriger als erwartet. Mich plagen immer noch fiese Rückenschmerzen, die sicherlich einen psychosomatischen Anteil haben. Und so waren die vier Wochen vor unserer Abreise alles andere als entspannt. Detlev musste da einiges zusätzlich übernehmen und aushalten. Ich kann mich sehr glücklich schätzen, so einen verständnisvollen Partner zu haben. DANKE!!!

    Und dann waren die Koffer gepackt, Vorräte entsorgt, Zimmerpflanzen in Pension gegeben. Impfungen abgeschlossen, Medikamente für 200 Tage gehortet, TV und Telefon abgemeldet, mit Ämtern und Versicherungen auseinander gesetzt, Bezahlen und Telefon/IT für unterwegs eingerichtet, zahlreiche Hotels, Züge, Schiffe, Flüge, Mietwagen und Wohnmobil gebucht und Reisekranken- und -rücktritts-Versicherung abgeschlossen. Denn eines ist für uns unerlässlich: es muss uns allen gut gehen!! Wenn das nicht der Fall ist, kehren wir um!

    Erstmal geht es uns gut! Für den Rücken gibt es Wärmepflaster und wie erwartet ist das Unterwegs-sein tausend Mal besser, als die Vorbereitungen!! Natürlich darf sich auch das Reisen erst eingrooven!!! Ich hab die Geheimzahl der Kreditkarte für die Reisekasse vergessen, das Gepäck ist eigentlich zu schwer. Ich kann noch gar nicht beurteilen,  ob es zu viel ist. Die Glücksmomente überwiegen aber jetzt schon!!! I love London!! Ich komme definitiv wieder. Aber laaaangsam!! Wir haben noch drei volke Tage hier…. To be continued!